
Der DVWE hat sich dem Appell der Unternehmensinitiative Vielfalt ist Zukunft angeschlossen, der den Bundesinnenminister unter anderem dazu auffordert, den Zugang zu freiwilligen Integrationskursen wieder vollständig zu öffnen und die Sprachförderung als wirtschaftliche Zukunftsinfrastruktur anzuerkennen.
"Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für unsere Wirtschaftsstandorte. Aus Sicht der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderungen ist Sprachförderung ein zentraler Baustein erfolgreicher Arbeitsmarktintegration. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss ihnen auch den Zugang zur Sprache ermöglichen. Deshalb unterstützen wir den Appell, freiwillige Integrationskurse wieder vollständig zu öffnen“, so der Vorstandsvorsitzende des DVWE, Wilfried Röpke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Jena mbH.
Hierzu ergänzt DVWE-Vorstandsmitglied Michael Stolte, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter mbH: „Darüber hinaus bestehen für die regional tätigen Bildungsträger hohe Eintrittshürden von Seiten des BAMF, eine Zulassung als Sprachkursträger zu erhalten. Das betrifft insbesondere die Zulassung von Lehrpersonal in den Kursen. Gerade öffentlich-rechtliche Träger, aber auch freie Bildungsträger, arbeiten gern mit Honorarpersonal, stoßen aber immer wieder auf bürokratische Hürden, wenn es darum geht, geeignetes Lehrpersonal zu binden.“
Zum Hintergrund:
Angesichts des demografischen Wandels verliert Deutschland in den kommenden Jahren Millionen Erwerbstätige. Bereits heute werde der Beschäftigungszuwachs maßgeblich von internationalen Arbeits- und Fachkräften getragen. Verschiedene Studien, z.B. des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) oder des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung DeZIM e.V., zeigen, dass strukturierte Integrationskurse die Beschäftigungsquote Geflüchteter deutlich erhöhen. Weniger strukturierte Schnellkurse haben hingegen keinen messbaren Effekt. Die Aussetzung neuer Zulassungen zu freiwilligen Integrationskursen durch die Bundesregierung stößt auf deutliche Kritik. So warnt das Unternehmensnetzwerk „Vielfalt ist Zukunft“, in einem Appell-Schreiben an Alexander Dobrindt davor, dass die Maßnahme weitreichende Folgen für Arbeitsmarkt, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Stabilität hat.
Besonders betroffen von den Kürzungen sind laut Sachverständigenrat für Integration und Migration arbeitsfähige und integrationsbereite Gruppen wie Asylsuchende, Schutzberechtigte oder Geduldete. Eine Schwächung der Sprachförderung führt zu verzögerter Arbeitsmarktintegration, längerer Sozialleistungsabhängigkeit und höheren fiskalischen Kosten.
Zwar wird der geplante „Sofort-in-Arbeit-Plan“ der Bundesregierung als wichtiges Signal für eine schnellere Arbeitsmarktintegration begrüßt. Doch ohne ausreichende Sprachförderung kann eine frühere Arbeitsaufnahme ihre Wirkung nicht voll entfalten. Sprachkenntnisse sind grundlegende Voraussetzung für Produktivität, Arbeitssicherheit und nachhaltige Beschäftigung.
„Vielfalt für Zukunft“ fordert daher, den Zugang zu freiwilligen Integrationskursen wieder vollständig zu öffnen, Sprachförderung als wirtschaftliche Infrastruktur anzuerkennen und die Finanzierung langfristig zu sichern. Deutschland kann es sich nicht leisten, integrationsbereite Menschen auf dem Weg in Arbeit auszubremsen.